Evidence-Based Learning at School

Advanced Organizers – Zielbestimmung zu Beginn der Unterrichtseinheit

Jeder, der sich auf einen Weg begibt, sollte sein Ziel kennen. Erst wenn ich weiß, wo die Reise hingeht, kann ich mich organisieren, meine Dinge packen, die ich brauche und mich auf das einstellen, was mich erwartet.

Petty beschreibt diese Methode in seinem Buch „Evidence-Based Teaching“1 in dem Kapitel über ‚Advanced Organisers’. Hier stellt er vier Möglichkeiten zur Umsetzung dieses Hilfsmittels dar:

  1. Einen kurzen Überblick über das Thema geben; eine kurze Zusammenfassung der Hauptgebiete oder Untergruppen und deren Zusammenhang vorgeben.
  2. Man kann darüber hinaus die Grundprinzipien des zu lernenden Stoffes nennen.
  3. Verbindungen zu schon bekannten Themen können aufgezeigt werden.
  4. Die Wichtigkeit und die Relevanz des Lernstoffes kann hervorgehoben und dabei vor allem der Wert des zu Lernenden betont werden (Warum soll ich das eigentlich lernen? / Wofür benötige ich das Gelernte später einmal?).

Ich habe mich in meinem Englischunterricht seit einigen Jahren für die Anwendung der Kompetenzraster entschieden.

Andreas Müller vom Institut Beatenberg in der Schweiz verwendet diese Raster seit Jahren in seiner Schule. Er schreibt auf seiner Website (http://www.institut-beatenberg.ch/wie-wir-lernen/instrumente/kompetenzraster.html):

 

„Kompetenzraster beschreiben, was man können könnte. Mit dieser Bezugsnorm werden Situation und Leistungen der Lernenden in Beziehung gebracht. Auf diese Weise entwickelt sich ein differenziertes individuelles Kompetenzprofil. Es zeigt nicht nur den jeweils aktuellen Leistungsstand, es zeigt auch die Entwicklung in den verschiedenen Bereichen. Kompetenzraster geben damit Antwort auf die Fragen „Wo stehe ich?“, „Was habe ich bis jetzt geschafft“ und „Was sind die nächsten Schritte?“.“

 

Wie oben beschrieben ist ein Kompetenzraster nicht nur ein Advanced Organiser, sondern stets auch eine Standortbestimmung des einzelnen Schülers. Ich habe die Kompetenzraster nach den Units im Englischbuch gegliedert. Das folgende Beispiel zeigt so ein Raster der 8. Jahrgangsstufe.

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Das Kompetenzraster wird den Schülern zu Beginn jeder Unit ausgeteilt. Somit wissen die Jugendlichen bereits, was sie am Ende der Lerneinheit beherrschen sollen. Während des Lernens kleben die Schüler kleine Punkte auf die Felder. Diese Punkte markieren den Lernstand des Einzelnen und den Weg, der noch gegangen werden muss.

Die Einführung der Kompetenzraster in neue Klassen hat sich immer wieder als schwierig herausgestellt. Die Klassen sind es nicht gewohnt, ihren Lernweg zu dokumentieren oder sie können sich nicht selbst einschätzen. Die Durchführung verlangt somit vom Lehrer Konsequenz in der Kontrolle der Raster sowie des Lernstandes der Jugendlichen (Ist der Lernstand wirklich der, des geklebten Punktes auf dem Raster?).

 

Eine andere Möglichkeit Zusammenhänge sichtbar darzustellen sind Graphic Organisers (im weiteren Artikel werden diese nur noch als „GO’s“ dargestellt).

Weitestgehend sind GO’s als Mindmap bekannt, die in der Schule vor allem als Hilfsmittel im Brainstorming zu bestimmten Themen eingesetzt werden. Darüber hinaus sind sie ein exzellentes Werkzeug um Zusammenhänge darzustellen und sichtbar zu machen. Für Schüler, die vor allem über visuelle Reize lernen, ist diese Methode besonders geeignet.

Beispiel: Englischunterricht/Zeiten/simple present

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Visuelle Unterrichtspläne

Die Verwendung visueller Unterrichtspläne ist eine der wesentlichsten Techniken, um zukünftige Prozesse und Abläufe des Unterrichts darzustellen.

Dabei werden die GO’s im Vorfeld angefertigt um das „Was“ und das „Wie“ des Unterrichts zu erklären. Für das „Was bietet sich vor allem eine „Model Map“ an, für das „Wie eine „Flow Bubble“ Grafik.

Wie der Name besagt, stellen visuelle Unterrichtspläne das Konzept sowie die einzelnen Schritte des Unterrichts grafisch dar, die der Lernende beherrschen sollte, wenn er sich auf den Weg selbständigen Lernens begibt. Sie dienen als Anhaltspunkt für die Schüler und übernehmen quasi die Rolle eines virtuellen Lehrers. Sie werden verwendet, um den Schülern zu erklären, „Was sie machen müssen und „Wie“ sie es machen sollen.

Mündliche Anweisungen überfordern oft das Kurzzeitgedächtnis vieler Schüler. Somit kommt es zu unerwünschten Verhalten – jedoch nicht, weil der Lernende nicht gewillt ist, eine Aufgabe auszuführen, sondern, weil er nicht genau weiß, „Wie“ er sie ausführen soll.

Doch auch das Erklären der Vorgehensweise durch visuelle Unterrichtspläne heißt nicht, dass alle Schüler diese sogleich umsetzen können. Deshalb ist es immer ratsam, die Lernenden zu zweit eine Aufgabe bearbeiten zu lassen, indem sie sich immer wieder den Weg selbständig zurechtlegen und erklären müssen.

1) Petty, G.,  (2006) Evidence-Based Teaching. Nelson-Thornes