Evidence-Based Learning at School

Digitale Tafeln und multimediale Gestaltungsprinzipien

Immer mehr Sachaufwandsträger bayerischer Schulen genehmigen die Anschaffung interaktiver Whiteboards (IWB). Glaubt man den Versprechungen der Hersteller, führt der Einsatz digitaler Tafeln zu einer Verbesserung der Unterrichtsqualität.  Solchen verallgemeinernden Aussagen der Industrie sollte man skeptisch gegenüberstehen. Als erfahrene Lehrkräfte wissen wir doch, dass auch ein interaktives Whiteboard  nur ein Medium ist, ein Unterrichtswerkzeug. Wenn wir unseren Unterricht qualitativ verbessern wollen, dann geht das zunächst über ein didaktisch gut überlegtes Unterrichtskonzept und die daraus folgende Auswahl geeigneter Methoden und Medien.

Spricht man mit Kollegen, die bereits mit digitalen Tafeln arbeiten (dürfen/müssen), hört man sehr unterschiedliche Urteile über den Nutzen. Was sagt die Forschung über das Potential dieses digitalen Werkzeugs?

Der amerikanische Wissenschaftler Robert Marzano (1) hat 2009 untersucht, wie sich der unterrichtliche Einsatz digitaler Tafeln auf den Lernerfolg auswirkt. Die ersten Ergebnisse seiner Studie zeigten eine generelle Verbesserung der Schülerleistungen aller teilnehmenden Klassen mit IWBs um 16 Prozentpunkte. Höchst interessant ist jedoch, dass innerhalb der Kontrollgruppe, also den Klassen, in denen nicht mit einer digitalen Tafel unterrichtet wurde, in immerhin 23 Prozent aller Fälle, Lehrkräfte bessere Ergebnisse ohne das digitale Werkzeug erzielten. In der Folge warfen Marzano und sein Team einen genauen Blick darauf, wie die beteiligten Lehrer das IWB einsetzten. Er fand  u. a.  heraus, dass der Lernerfolg signifikant von der strukturierten visuellen Darstellung der Lerninhalte abhängt (Graphic Organiser). Lehrer, die visuelle Hilfsmittel auf den Tafeln entsprechend geschickt einsetzten, konnten Lernfortschritte in ihren Klassen von bis zu 26 Prozentpunkten verzeichnen.  Andererseits konnte nachgewiesen werden, dass Kollegen, die ihre Lerninhalte multimedial überladen, deutlich schlechtere Ergebnisse erzielten.

Was bedeutet das nun konkret? Was muss man berücksichtigen, um das offenbar vorhandene, lernfördernde Potenzial digitaler Tafeln für den eigenen Unterricht nutzbar zu machen?

In diesem Film werden die für die Nutzung von digitalen Tafeln relevanten multimedialen Gestaltungsprinzipien (Mayer 2009) beispielhaft im Rahmen einer Mathematikstunde zum Thema Strahlensatz vorgestellt.

Es gibt also wissenschaftlich gut belegte Gestaltungsrichtlinien (2), die es zu beachten gilt. Berücksichtigt man die im Film vorgestellten multimedialen Gestaltungsprinzipien, kann man neue Inhalte zugänglicher, Neurobiologen würden sagen ‘hirnfreundlicher’, präsentieren. Konsequent angewendet kann das sogar zu einer verkürzten Präsentationsphase führen, damit in der Unterrichtsstunde noch genügend Zeit bleibt, um mit schülerzentrierten und handlungsorientierten Methoden das Verständnis der neuen Inhalte zu vertiefen.

 

—–

(1) Marzano, R. J., & Haystead, M. W. (2009). Final report: An evaluation study of the effects of Promethean ActivClassroom on student achievement. Englewood, CO: Marzano Research Laboratory.

(2) Mayer, R. E. (2009): Multimedia Learning (2nd. ed.). Cambridge: University Press.

Tagged on:

Schreibe einen Kommentar